Ihr Name ist Ihr Geld

Gastbeitrag von Sascha Cremerwww.ImageIstAlles.de ***

In meinem letzten Gastbeitrag habe ich über die Möglichkeiten des Reputation Managements zur Etablierung eines eigenen Expertenstatus im Netz geschrieben. Dabei helfen sie nicht nur anderen Nutzern, sondern profilieren sich gleichzeitig in einem bestimmten Fachgebiet und geben ihrer eigenen Karriere einen Schub.

Aus Unternehmenssicht ist ihre persönliche Meinung aber noch viel mehr wert: Anders als Werbemaßnahmen ist sie authentisch, da sie aus keinem direkten wirtschaftlichen Interesse heraus entsteht. Eine positive Benutzerwertung kann eine weitaus größere Wirkung entfalten als der raffinierteste Werbeslogan. Daher werden persönliche Kundenmeinungen zunehmend dazu genutzt, die Umsätze von Unternehmen zu steigern – allerdings meist ohne die schreibenden Nutzer an diesen Umsätzen zu beteiligen.

Unternehmenserfolg mit persönlichen Meinungen

Wie wichtig Nutzermeinungen sind zeigt der Erfolg eines Verkaufsportals, das sich frühzeitig für die Meinungen seiner Nutzer geöffnet hat: Amazon. Anders als traditionelle deutsche Versandhändler hat Amazon sehr früh den Wert seiner Nutzer begriffen. Im Gegensatz zu den zwangsläufig positiven Texten von Unternehmen berichten Nutzer auf Amazon von ihren persönlichen Erfahrungen und sind damit glaubwürdig. Diese Offenheit birgt natürlich die Gefahr negativer Kritik für Unternehmen, die Vorteile positiver Äußerungen überwiegen aber offensichtlich. In Amazons Foren herrscht allerdings meist Anonymität – entscheidend ist nicht, wer etwas gut findet, sondern nur, dass jemand es gut findet. Ein gutes Geschäft für Amazon und eine tolle Informationsquelle für potenzielle Käufer – aber was hat die Masse anonymer Schreiber davon? Mehr noch: Auch Leser sollten solche Meinungen kritisch betrachten: Wer schreibt hier überhaupt so positiv über Produkt XY, kennt der sich wirklich damit aus? Anonymität lässt zwangsläufig Zweifel an der Glaubwürdigkeit von Rezensionen aufkommen, wie viele Fälschungen es auch bei Amazon gibt lässt sich kaum abschätzen.

Authentisch bleiben und gleichzeitig verkaufen?

Als Schreiber können sie selbst entscheiden, ob sie anonym oder mit ihrem echten Namen auftreten wollen. Unternehmen hingegen müssen sich die Frage gefallen lassen, ob sie aktive Nutzer am Umsatz beteiligen wollen oder nicht. Amazon hat dazu Mitte 2006 sogenannte aStores eingeführt. Das Prinzip ist einfach: Jeder angemeldete Benutzer kann eine Art Mini-eAmazon auf eigenen Namen betreiben, an den Umsätzen wird er dabei beteiligt. Und Amazon ist damit nicht mehr allein: Es gibt tausende Firmen, von Banken bis zu Blumenversendern, die Nutzer für eine Empfehlung an ihren Umsätzen beteiligen (mehr Infos dazu hier). Prinzipiell eine großartige Idee: Sie empfehlen als Experte Produkte, die sie gut finden und verdienen auch noch dabei. Dadurch entsteht allerdings ein ernsthaftes Problem: Was passiert mit ihrer Glaubwürdigkeit?

Wer glaubt schon Verkäufern?

Die persönliche Meinung im Netz zu vertreten ist zunächst gänzlich uneigennützig und damit authentisch. Sie wird es umso mehr, wenn sie, wie in meinem letzten Artikel beschrieben, ihren eigenen Namen verwenden und ihre Bewertung so für Leser transparent machen.

Was aber, wenn es plötzlich um Geld geht? Was ist, wenn ich als versierter Rosenzüchter einen Dünger nur deswegen empfehle, weil der Hersteller mir dafür Geld bezahlt? Und wenn meine Leser (ob in Foren, Blogs oder auf jedweden Webseiten) wissen, dass ich damit verdiene – glauben sie mir dann noch? Oder ist letztlich mein mühsam erarbeiteter Ruf als Experte gefährdet?

Dieses Dilemma ist wohl nur auf zwei Arten lösbar:

Sie erzählen ihren Lesern nicht, dass sie mit ihrer Meinung auch Geld verdienen. Das Netz bietet dazu einfache Möglichkeiten: Ihr Vertrieb für ein bestimmtes Unternehmen ist nur an einem speziellen Link zu erkennen, den sie auch noch ohne weiteres unkenntlich machen können. Diese Methode wird bereits heute von zahlreichen scheinbar unabhängigen Expertenseiten im Netz genutzt – nur wenige fragen dabei nach, wie sich solche Seiten überhaupt finanzieren. Eine Lösung, die kurzfristig sicherlich zum Erfolg führen kann, die mittel- und langfristig aber nicht zu empfehlen ist: Irgendwann kommen ihnen ihre Leser auf die Schliche. Und was wohl noch schwerer wiegt: Sie zerstören damit eine der schönsten Seiten des Internets – eine glaubwürdige Meinungsvielfalt.

Die eigene Meinung steht vor dem Verkauf

Damit bleibt aus meiner Sicht nur eine Möglichkeit: Sie stehen offen dazu, dass sie mit ihrer Meinung auch Geld verdienen wollen und vermitteln glaubwürdig, dass der Verdienst für sie erst an zweiter Stelle steht. Das Schöne daran: Es geht wirklich. Im Internet sind sie nicht daran gebunden nur die Kreditkarten eines Unternehmens zu verkaufen. Fast jede Bank zahlt für vermittelte Kunden. Sie können also unbesorgt alle Angebote miteinander vergleichen, Stärken & Schwächen für ihre Leser abwägen und nur die Bank empfehlen, die ihnen am Besten erscheint. Sie können sogar noch weiter gehen und offen darauf hinweisen, z.B. mit „Wenn Ihnen die Informationen dieser Seite geholfen haben klicken Sie hier falls sie ein Produkt bei XY kaufen wollen, um die Qualität dieser Seite auch in Zukunft zu gewährleisten“.

Nur so sichern sie sich auch in Zukunft zufriedene Leser, festigen ihren Expertenstatus weiter (von dem man auf diese Weise auch ganz unmittelbar leben kann) und tragen ohne schlechtes Gewissen zur Informationsvielfalt des Internets bei. Außerdem verschönern sie mir auch meinen Job, da ich selbst in diesem Bereich arbeite (ohne hier Werbung für mein Unternehmen zu machen) ,-)

Wer mit dem eigenen Namen Geld im Internet verkaufen will steht damit immer vor dem gleichen Problem: Wer seine seine Meinung uneigennützig und ohne daran zu verdienen vertritt wirkt authentisch. Wer mit seiner Meinung Geld verdienen will gerät automatisch in Verdacht, dass er seine Meinung dem Verdient unterordnet – die persönliche Meinung ist dadurch nicht länger authentisch und verliert ihren Wert.

Habe ich damit als einer der anerkannt größten Rosenexperten im Netz keine Möglichkeit

Ob aStores oder andere Angebote: Sie alle nutzen die persönliche Meinung ihrer Nutzer allein als Verkaufsargument. Aus Sicht eines richtig verstandenen Reputation Managements der falsche Weg, da mittelfristig und erst recht langfristig der eigene Namen geschädigt und damit das Vertrauen der Leser verspielt wird. Habe ich mir in einem bestimmten Fachgebiet einen Namen aufgebaut, sollte ich ihn nicht für kurzfristige Umsätze aufs Spiel setzen. Aus meiner Sicht entscheidend ist zunächst der Aufbau eines Expertenstatus, das Zusammentragen für den Nutzer hilfreicher Informationen. Der finanzielle Nutzen steht erst an zweiter Stelle. Dabei sind verschiedene Grundregeln zu beachten:

  • Bleiben Sie authentisch: Wenn sie mit ihrem Angebot Geld verdienen, verheimlichen sie es nicht.
  • Im ersten Schritt gilt der Aufbau eines Expertentums wie in Teil I beschrieben
  • Erst im zweiten Schritt kann man sich überlegen, ob mit dieser Meinung auch Geld verdient werden kannDabei muss zwangsläufig eine große Auswahl verschiedener Anbieter möglich sein, denn empfiehlt man stets nur einen Anbieter, MUSS das für den Leser unglaubwürdig erscheinen und schädigt letztlich auch den eigenen Namen
  • Entscheidend ist, dabei offen mit dem wirtschaftlichen Nutzen umzugehen: Nutzer merken sehr schnell, ob hier nur jemand etwas verkaufen will, oder ob die eigene Meinung im Vordergrund steht
  • Stellen sie ganz klar: Wenn sie hier klicken, verdiene ich damit Geld. Geht man damit offen um, ist daran nichts Verwerfliches! Hüten sie sich allerdings dafür ihren mühsam aufgebauten Expertenstatus

7 thoughts on “Ihr Name ist Ihr Geld”

  1. Sag ich doch!

    Umständlicher formuliert: Wer anfängt, Ihre hervorragenden nützlichen Ausführungen zu zerreden, ist mit sich selbst gestraft genug.

    Hans Kolpak
    Biß der Woche

  2. Ich sag´s mal so:
    Hätt ich nicht besser schreiben können.

    Trotzdem kommt man sich manchmal vor wie der Rufer in der Wüste.
    Daher habe ich meinen Webauftritt von Schnickschnack befreit. Wozu den Leser zusätzlich verwirren ? Das wirkt auch nicht glaubwürdig.

  3. @ Wozu den Leser zusätzlich verwirren ?

    Ganz einfach, um ihn aus seinem Gedankengefängnis abzuholen. Erst wenn er verwirrt ist und dann trotzdem bleibt, besteht die Chance auf Veränderung.

    @ Das wirkt auch nicht glaubwürdig.

    Die Glaubwürdigkeit habe ich mir über den Eingangs-Trigger erarbeitet. Der Besucher kommt bei mir z.B. seltenst über die Startseite, die er meist sofort wieder verlassen würde (weil eben verwirrt), sondern entweder über eine Unterseite oder eine externe verlinkte Quelle (z.B. Telefontrainingclub auf ecademy), die – befreit von allem Schnickschnack – genau seine Bedürfnisse bedient und die Grundlage dafür schafft, dass er der Originalquelle – voll mit Schnickschnack – vertraut und . . . weiteres Know-how findet. Kostenlos.

    Und genau dieses Konzept, mit frei verfügbaren substantiellen Informationen in Vorleistung zu gehen, bin ich schon seit 2004 am Markt.

    Stimmt. Weil . . . wer kauft heute noch die Katze im Sack ?

    Da Sie alle Drei hier oben auf ’ner ähnlichen Welle ticken . . . wie würden Sie damit umgehen, wenn Sie nicht nur EIN Kompetenzfeld sondern derer gleich ein paar Dutzend abdecken (lassen) ?

    Viele Grüsse,
    Andreas Wiedow

  4. Hallo Freunde!
    als Nr. 4 hatte ich hier auch einen Beitrag veröffentlicht! Warum wurde dieser ohne Kommentar herausgenommen?! Bei ZEIT online ist mir dies im Zusammenhang mit „Oskar Schindler und der HOLOCAUST“ auch einmal passiert. Aber man hat freundlicherweise eine NACHRICHT hinterlassen!

    Herzliche Grüsse und ein schönes Wochenende!

    Klaus Metzger
    HILDESHEIM

  5. Hallo…und Hallo!!(das zweite Wort ist englisch !!!
    Da ich mit den Engel-Heilbildern ja o h n e G E L D..
    also M O N E Y ….hier mich einbringen darf…..
    T H A N Y Y O U… Sachscha and Y A S N I Friends
    engelgruss from Heaven and Painter Brigitta

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